Im Frühjahr 1900 lässt Hervé, ein junger Mann von etwas mehr als zwanzig Jahren, die Kleinstadt Solothurn hinter sich, um sich auf den Weg «in den Süden» zu machen. Nach wenigen Tagen erreicht er die Stadt Zürich, wo sich ein Zögern einstellt: Ist er wirklich gemacht für die Landstrasse, oder wäre es nicht besser, sich einzurichten, ein Zimmer und eine Anstellung zu suchen? Nach einer Abfolge von Regentagen, in denen aus dem Wanderer ein Stadtspaziergänger zu werden droht, bricht er ein zweites Mal auf. Dieses Mal geht es wirklich in Richtung Süden, auf die Alpen zu. Kurz vor deren Überquerung verleitet ihn ein später Wintereinbruch zu einem Umweg, auf dem er in ein abgelegenes Hochtal gelangt, wo sich die Möglichkeit eines längeren Aufenthalts anbietet. Hervé arbeitet im bescheidenen «Grand-Hôtel Dammagletsch», macht Bekanntschaften mit Einheimischen und Gästen und streift durch die Gebirgslandschaft.
Vom Wandrer bleibt kaum etwas oder nichts. Eine Spur trocknet aus, verweht.
Eine Spur füllt sich mit Schnee. Hervé reisst am Wegrand einen Zweig ab, nimmt einen Grashalm mit. Eine kleine Mulde von geringer Dauer, wo er gerastet hatte. Etwas länger vielleicht sein Bild in den Augen des Bauern, der kurz innehält bei seiner Arbeit, in den Augen der Frau am Küchenfenster, die sich die Hände an der Schürze abwischt oder in den Augen des Hundes, der bellt und an der Kette zerrt, bis der Wandrer nicht mehr zu sehen ist. Hervé erschafft nichts, zerstört nichts, er nimmt nichts weg – ein Rauschen wie Wind, ein Schatten von Wolken, die vorüberziehen.
Es ist ein Buch über das Unterwegssein, das Innehalten, den Kontrast zwischen Wanderer und Stadtspaziergänger sowie die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
248 Seiten
Hardcover
Format: 12 × 18,5 cm









