Die Alpen leiden unter dem Klimawandel. Gletscher schmelzen, Hänge rutschen. Was bedeutet das für die SAC-Hütten?
In den Alpen zeichnen sich tiefgreifende landschaftliche Veränderungen ab. Gemäss den Klimaszenarien ist für das Alpengebiet in der Schweiz, abhängig von der Entwicklung des Treibhausgas-Ausstosses, bis Mitte des Jahrhunderts mit einer Erwärmung um 2,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen. Gegen Ende des Jahrhunderts werden es gar 2,4 bis 4,8 Grad sein. Dies wirkt sich auf die Anzahl Neuschneetage aus, die bis dahin in einer Höhenlage von über 2600 Metern von heute hundert Tagen um ein Viertel oder sogar ein Drittel zurückgehen wird. Die Folgen sind unter anderem eine rasche Gletscherschmelze, die sich in den vergangenen Jahren noch beschleunigt hat, sowie eine Degradation des Permafrosts mit Auswirkungen auf die Hangstabilität und Veränderungen in der Vegetation.
Was bedeutet das für die teils historischen Bauten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), die Bergsportler*innen auch an abgelegenen und exponierten Orten Unterkunft bieten? Die Standorte der insgesamt 151 SAC-Hütten variieren bezüglich ihrer Höhenlage beträchtlich: von 1475 bis 4000 Metern über Meer. Ihre Umgebung ist von unterschiedlichen klimatischen Rahmenbedingungen geprägt: Die am tiefsten gelegenen SAC-Hütten befinden sich noch im Waldbereich, während bei den höchsten Hütten Gletscher und Schnee das Umfeld prägen. Entsprechend unterscheiden sich auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die SAC-Hütten. Sie können den Standort und das landschaftliche Umfeld betreffen, aber auch die Zustiege und die bergsportlichen Aktivitäten, die von den Hütten aus unternommen werden.
An höher gelegenen Hüttenstandorten sind es vor allem der auftauende Permafrost und der Rückzug der Gletscher, die zu Instabilitäten im Baugrund führen können. Als Permafrost bezeichnet man Fels oder Schutt, dessen Temperatur für mindestens zwei Jahre ununterbrochen unter null Grad Celsius liegt. Dabei kann zwischen eisarmem und eisreichem Permafrost unterschieden werden. Eisarmer Permafrost tritt vor allem in kompaktem Fels mit wenig Hohlräumen auf, eisreicher Permafrost in Lockermaterial oder stark aufgelockertem Fels. Da das Auftauen von Eis viel Energie benötigt, verläuft das Auftauen von eisreichem Permafrost langsamer als das von eisarmem Permafrost. Die Folgen sind dieselben: Schmilzt das Eis, kann dies zu Setzungen oder Verschiebungen im Baugrund und zu Problemen bei der Fundation der Hütten führen. Auch durch einen Gletscherrückzug können Probleme mit dem Baugrund entstehen: Da der Hangfuss entlastet wird, werden Moränen oder Felsflanken instabil. Wenn eine Hütte nahe der Hangkante steht, wird dies gefährlich.
Auch die Felswände oberhalb vieler SAC-Hütten werden vom Klimawandel in Mitleidenschaft gezogen. Liegen diese Wände im eisreichen Permafrost, führt die Erwärmung zur Schmelze des Eises, das bisher wie eine Art Zement wirkte. Die Folgen sind vermehrte Steinschläge und Felsstürze. Die im Auftrag des SAC durchgeführte Studie ‹Klimasensitivität von SAC-Hütten› zeigt: Bei 61 Hütten liegen mehr als fünf Prozent des Pufferbereichs – ein Umkreis mit Radius 50 Meter um die Hütte – im Permafrost. Ein instabiler Baugrund infolge Gletscherrückzug liegt möglicherweise bei 32 Hütten vor. 28 dieser Hütten liegen gleichzeitig im Permafrostbereich. Bei 43 Hütten treffen mögliche Felsstürze auf den Pufferbereich.
Inhalt: 256 Seiten, zahlreiche Illustrationen
Bindung: Softcover
Format: 22 × 31 cm
1. Auflage 2026











